Wie wird man zum "Schimmelberater" ?

Die Beurteilung von Schimmelschäden nimmt mehr und mehr Platz in meiner täglichen Arbeit ein. Ursprünglich habe ich mit der Ermittlung der Herkunft von Feuchteschäden und der Sanierungsplanung zur Beseitigung von Wasserschäden begonnen. Dabei handelte es sich meist um nasse Keller, die entsprechend abzudichten waren.
Die Ursache für feuchte Keller in warmen Sommern, die aber im Winter wieder trocken werden, ist ähnlich der Ursache für Schimmelpilzwachtum in Raumecken oder Fensternischen. (Nicht immer und in jedem Fall, aber oft genug ist es so)
So kam ich von nassen, schimmeligen Kellern zu den ersten Untersuchungen an schimmelbelasteten 'Wohnräumen.
Mittlerweile untersuche ich mehr Wohnzimmer als Kellerräume.
Um die Sache zu vertiefen habe ich eine Ausbildung zum Energieberater im Handwerk
(BAFA-zugelassene Energieberatungen) abgeschlossen und bin zudem in einem Aufbaustudium an der Bauhaus-Universität Weimar. Der Studiengang nennt sich
"Sachverständiger für wärme- und feuchtetechnische Bauschäden" und befasst sich mit baubiologischen Aspekten, Nachweis, Messung und Beurteilung von Feuchte an Gebäuden. Blowerdoor-Test, Thermografie etc.
Um auf dem aktuellen Stand der Technik bzw. Wissenschaft zu bleiben, werden regelmäßig Fortbildungen besucht. Schulungen des TÜv zum "Tüv-zertifizierten Sachverständigen" gehören dazu.


Was wird denn eigentlich genau untersucht ?

Als Bauingenieur kümmere ich mich vor allem um die technischen Belange des Schimmelbefalls.
Es wird ermittelt. ob bautechnische Mängel vorliegen oder ob evtl. das Lüftungsverhalten geändert werden muss. Sind vielleicht Rohrbrüche der Grund für die erhöhte Feuchtigkeit oder sind die neuen Fenster dran schuld.
Nach Ermittlung der Ursache wird geschaut, wie der Schaden am besten beseitigt wird.
Muss der ganze Putz abgeschlagen werden, oder reicht es die Tapete zu entfernen? Oder wischen wir den pelzigen Belag einfach ab und streichen drüber (oft genug erlebt) ?
Damit keine weiteren gesundheitlichen Belastungen entstehen, sollte der Schimmel schon mit der entsprechenden Umsicht entfernt werden.
Ist die Ursache für die Feuchtigkeit (die der Schimmelpilz zum leben braucht) beseitigt und der Schimmel entfernt, bleibt den meisten Fällen nichts mehr für uns zu tun.

Das war alles ?

Gibt es gesundheitliche Probleme, die auf eine außerordentliche Belastung durch Schimmelpilze oder andere Schadstoffe zurückzuführen sein könnten, werden weitere Untersuchungen notwendig.
Gattung und Art des Pilzes, sowie seine Häufigkeit im Raum geben dem Umweltmediziner wichtige Informationen über etwaige Gründe für Krankheitsbilder.  Es können sowohl die Stoffwechselprodukte bestimmter Pilzarten toxisch sein, es kann aber auch zu Beeinträchtigung durch die hohe Konzentration eines ansonsten harmlosen Pilzes sein.
Manche Menschen reagieren auch empfindlich auf  "MVOC´s" - organische Verbindungen, die durch den Pilz an die Luft abgegeben werden
Weitergehende Raumluftuntersuchungen erkennen Art und Konzentration von Schadstoffen
( Formaldehyd, PCB, PAK ....), die auch der Grund für unspezifische Krankheitssymptome sein können.